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Mütter haben eh a super Lobby! Wait. What?!?

Neulich, bei der Präsentation eines Bewerbungsverfahrens, bei dem eine Kollegin und ich als ausgebildete Life/Work-Planning-Trainerinnen ebenso einen kleinen Teil vorstellten. Ein Mann fragt mich anschließend: Für wen würdest du das am Liebsten anbieten? 

 

Ich, voll motiviert:

Im Grunde sollte jeder Mensch dieses Verfahren einmal im Leben durchlaufen. Auf jeden Fall möchte ich das für Mütter - im speziellen grad auch nach der Karenz anbieten. Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass Mamas wissen, sie haben ebenso das Recht auf einen super Job. Haben doch die meisten die Haltung: Als Mama musst du ja eh froh sein, dass du was kriegst in Teilzeit! Und dann haben die das Gefühl, jeden Scheiß annehmen zu müssen und harren in Jobs aus, die sie gar nicht machen möchten, weil er nicht zu ihnen passt. Und müssen noch Danke sagen. Ich möchte, dass die Haltung von "Wie scheiße darf ein Job sein, damit ich ihn grad noch annehmen kann" zu "Was wär denn richtig mega?" wechselt. Dazu muss man sich und alle Fähigkeiten sehr gut kennen. Wenn ich mal weiß, worin ich super bin und was mir leicht von der Hand geht kann ich das anbieten." Unterbricht mich mein Gesprächspartner: Najo, für Mamas gibt's eh schon a super Lobby. Ich: Was? Wie bitte? Er: Naja, die ganzen Wiedereinsteigerinnenkurse und die "Frauen in technische Berufe"-Kurse. Wieder ich: Auch da geht's anschließend hoffentlich drum, n Job zu finden. Er: Die nimmt man dann mit Handkuss... Ich: Die Frauen wissen nach so einem Kurs noch immer nicht, für wen will ich das denn anbieten? Das wär wichtig um da auch möglichst lange bleiben zu wollen/können.

 

So ging das Gespräch dann noch eine Weile weiter.

Nein, sie haben keine super Lobby!

 

Seit diesem Gespräch, das nun doch schon ein paar Wochen her ist, verfolgt mich die Aussage: Mütter haben eh schon so a super Lobby! Hat mein Gesprächspartner sich je mit Mamas unterhalten? Zurück zur Lobby-Sache!

  1. Stimmt nicht. Es gibt überhaupt keine Lobby für Mütter. So lange die Gesellschaft noch immer denkt, Mütter müssen froh sein, wenn sie überhaupt etwas finden und der Chef ein ganz toller ist, wenn er sie ohne zu Motzen zurücknimmt, stimmt das einfach nicht. Davon, dass sie ein schlechtes Gewissen haben sollen, wenn sie ihre Kinder in die Kinderbetreuung geben mal ganz abgesehen.
  2. Wo ist die Lobby, wenn eine Mutter sich arbeitssuchend meldet und bevor sie Arbeitslosengeld kriegt, erstmal einen Nachweis über eine vorhandene Kinderbetreuung bringen muss? Musste schon jemals ein Vater einen Nachweis zur Kinderbetreuung bringen? By the way: Kids bis 3 erhalten in der Regel nur einen Betreuungsplatz, wenn die Mutter bereits in einem aktiven Arbeitsverhältnis ist. Sollte sie arbeitslos werden oder - Gott bewahre - die Frechheit haben, ein weiteres Kind zu kriegen, kommt es schon mal vor, dass das große Geschwisterchen seinen Betreuungsplatz verliert, also mitten im Kindergartenjahr gehen muss, was bestimmt nicht im Interesse des Kindes ist, dass mitunter schon 2 Jahre Kleinkindbetreuung und seit einem halben Jahr Kindergarten gewohnt ist. 
  3. Google doch mal "Mütterrechte". Schlägt mir Google doch fett vor: Väterrechte stärken. Kurzer Ausflug in die Mütterrechte für Alleinerzieherinnen. Du hast die Pflicht, dein Kind Tag und Nacht zu betreuen, auch wenn es krank ist oder du selbst krank bist - eh klar. Schon mal einen Vater gesehen, der sein Kind holt, auch wenn er krank oder das Kind krank ist? Du hast die Pflicht, dein Kind zu betreuen, daher kannst du wahrscheinlich nicht 100 Prozent arbeiten, kriegst also auch keinen 100% Lohn. Du hast das Recht, Unterhaltszahlungen fürs Kind zu kriegen. Das ist alles. Mitunter muss du dich deswegen als geldgierige Schlampe beschimpfen lassen. Du hast keine Möglichkeit, dich gegen solche Anfeindungen zu schützen. Denn du bist verpflichtet, das Kind pünktlich zu übergeben. Dadurch entsteht bei manchen Exen der Eindruck, sie können sich dir gegenüber aufführen wie sie wollen. Können sie auch, die Gesetzgebung hat da keine gute Antwort parat. 

Also nein: Mütter haben NICHT eh schon eine super Lobby! Solange sich Unternehmer davor fürchten, die Mamas könnten zurückkommen wollen, kann keine Rede davon sein, Mamas würde der Wiedereinstieg leicht gemacht. Mamas sind verdammt cool, also hört mit dieser Unterdrücker-Scheiße auf! 

 

Jaja, Papas sind auch cool - sie kriegen ja auch fast einen Orden, wenn sie ihre Kinder mal n paar Stunden am Leben halten und sogar (!!!) mit denen spielen. Versteht mich nicht falsch, ich gönne jedem einzelnen den Orden - ich fordere lediglich, dass Mamas ebenso einen kriegen! Übrigens kenne ich den ein oder anderen coolen Papa, der kein Problem damit hätte, wenn er nicht schuften müsste wie n Esel, weil seine Frau keinen gscheiten Job findet und ebenso gutes Geld verdient.

 

Ebenso fordere ich, dass Unternehmerinnen und Unternehmer erkennen, dass es kein Nachteil ist, wenn eine Mutter zurück in den Betrieb kommt. Man könnte auch die Vorteile in den Vordergrund stellen, wie: da kommt jemand, die nicht neu eingelernt werden muss. Da kommt jemand, die effektiv arbeitet, weil sie genau dieses Stundenausmaß zur Verfügung hat und last but not least: Wir sterben verdammt noch mal aus, wenn Frauen aufhören Kinder zu kriegen!

 

(Jedenfalls solange, bis die Medizin soweit ist, dass wir Kinder in künstlichen Gebärmüttern produzieren.)

Bereit für deinen Traumjob?

Deshalb liebe Mamas: Lasst euch keinen Mist einreden. Natürlich kannst du einen Job finden, der genau zu dir passt. Vielleicht nicht mit der herkömmlichen Bewerbungsstrategie. Das L/WP-Verfahren ist zeitintensiver gleichzeitig dafür nachhaltiger und erfolgsversprechender, weil es nicht darum geht, wie du sein solltest, damit du für Arbeitgeber-innen attraktiv wirst, sondern welche übertragbaren Fähigkeiten hast du schon, die dich attraktiv für den Arbeitsmarkt machen? Und das sind mehr als du denkst! Los! Lerne dich kennen 😘 Wie schön, wenn es dafür einen Kurs gäbe 😉 (Spoiler: gibt's natürlich)

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